Dachgeometrie
Wie Neigung und Ausrichtung den PV-Ertrag verändern
Photovoltaik braucht kein perfektes Süddach. Viele Ost-West- und flach geneigte Anlagen erzielen gute Erträge – nur zu anderen Tageszeiten und mit einem anderen Jahresprofil.
Was bedeutet Azimut?
Der Azimut beschreibt die Himmelsrichtung der Modulfläche. Im Solar Simulator gilt die in der europäischen Solarplanung übliche Darstellung: 0° = Süden, −90° = Osten und +90° = Westen. Norden liegt bei ±180°.
Andere Karten- oder Kompasssysteme zählen teilweise ab Norden im Uhrzeigersinn. Prüfen Sie daher immer die Definition, bevor Sie Werte aus einer anderen Quelle übertragen.
Welche Dachneigung ist günstig?
In Deutschland liegt ein hoher Jahresertrag bei Südausrichtung häufig im Bereich von ungefähr 25° bis 40°. Das ist kein universelles Optimum: Breitengrad, lokales Wetter und das gewünschte Erzeugungsprofil verschieben den besten Winkel.
- Flachere Neigung: begünstigt tendenziell den Sommer und reagiert weniger stark auf die Himmelsrichtung.
- Steilere Neigung: kann den niedrigen Sonnenstand im Winter besser nutzen, liefert aber im Sommer nicht zwingend das Maximum.
- Sehr flache Module: benötigen ausreichende Entwässerung und können stärker verschmutzen.
Süd oder Ost-West?
Eine südliche Fläche bündelt die Produktion stärker um die Mittagszeit und maximiert bei günstiger Neigung meist den Jahresertrag pro kWp. Ost-West verteilt die Produktion: Ostmodule beginnen morgens früher, Westmodule liefern nachmittags länger.
Für Haushalte kann die breitere Kurve wertvoll sein, weil sie besser mit Frühstück, Homeoffice oder dem Verbrauch am späten Nachmittag zusammenfällt. Ob das wirtschaftlich besser ist, hängt von Verbrauch, Einspeisetarif, Wechselrichterdimensionierung und Speicher ab – nicht nur vom Jahresertrag.
Kein pauschaler Sieger: Maximale kWh pro kWp und maximaler Eigenverbrauch sind unterschiedliche Ziele. Vergleichen Sie im Simulator sowohl Jahreswert als auch Tageskurve.
Flachdach und mehrere Dachseiten
Auf Flachdächern kann die Aufständerung frei gewählt werden. Niedrige Ost-West-Aufständerungen erlauben oft eine dichte Belegung und reduzieren gegenseitige Verschattung, während südliche Reihen größere Abstände benötigen. Der Simulator vergleicht die Energiegeometrie, ersetzt aber keine Belegungs- oder Windlastplanung.
Bei einem Satteldach können beide Seiten getrennt modelliert werden. Teilen Sie die installierte kWp-Leistung entsprechend der Modulanzahl auf und setzen Sie für jede Seite ihren eigenen Azimut.
So messen Sie Ihr Dach
- Himmelsrichtung über eine Kartenansicht oder Bauunterlagen bestimmen.
- Neigung aus Dachplan, digitalem Neigungsmesser oder fachgerechter Messung übernehmen.
- Gauben, Kamine, Bäume und Nachbargebäude als mögliche Verschattung notieren.
- Mehrere Varianten im Solar Simulator vergleichen.